In fast jeder Vitrine steht ein Service, das über Jahrzehnte nur zu Feiertagen benutzt wurde. Bei einer Haushaltsauflösung stellt sich dann die Frage, ob es sich um ein Erbstück mit Wert handelt oder um gewöhnliches Geschirr.
Im Auktionshaus lässt sich das in wenigen Minuten einordnen. Woran man sich orientieren kann.

Schritt 1: Die Bodenmarke
Der erste Blick geht immer auf die Unterseite. Gesucht wird die Manufakturmarke: gekreuzte Schwerter stehen für Meissen, ein Zepter für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, ein Bienenkorb für Wien, ein Löwe im Schild für Nymphenburg. Blau unter der Glasur eingebrannte Marken sind ein gutes Zeichen; aufgedruckte Marken über der Glasur deuten auf spätere Serienware hin. Kleine Schleifstriche durch die Marke bedeuten Zweite Wahl und mindern den Wert deutlich.
Schritt 2: Klang- und Lichtprobe
Echtes Hartporzellan klingt hell und lange nach, wenn man den Rand vorsichtig anschlägt - Steingut klingt dumpf und kurz. Gegen das Licht gehalten ist gutes Porzellan leicht durchscheinend, und der Scherben wirkt gleichmässig weiss. Ein dumpfer Klang ist ausserdem ein Hinweis auf einen Haarriss, selbst wenn man ihn nicht sieht.

Schritt 3: Malerei und Vollständigkeit
Handbemalte Stücke sind deutlich wertvoller als gedruckte Dekore. Erkennbar ist das an leichten Unregelmässigkeiten im Pinselstrich und an fühlbar aufliegender Farbe; ein Druckdekor zeigt unter der Lupe ein feines Punktraster. Ebenso wichtig ist die Vollständigkeit: Ein komplettes Service für zwölf Personen erzielt ein Vielfaches von zwölf Einzeltellern, und seltene Teile wie Terrinen, Saucieren und Deckelvasen ziehen den Gesamtpreis nach oben.
Schritt 4: Zustand entscheidet
Sammler zahlen für makellose Stücke. Ein einziger Chip am Rand, ein Haarriss, abgeriebene Goldränder oder Kratzspuren vom Besteck drücken den Preis erheblich. Deshalb gilt: nichts in die Spülmaschine, nichts stapeln ohne Zwischenlage und beim Transport jedes Teil einzeln in Papier wickeln. Wer reinigen möchte, nimmt lauwarmes Wasser und ein weiches Tuch - keine Scheuermittel und kein heisses Wasser bei Goldrändern.

Fazit: Marke, Klang, Zustand
Eine eingebrannte Manufakturmarke, ein heller Klang, handbemalte Dekore und ein vollständiges Service ohne Schäden - das sind die vier Punkte, die den Wert ausmachen. Alles andere ist meist gutes Gebrauchsgeschirr ohne Sammlerwert.

Im Zweifel vorher fragen: 07161 / 68 111 oder info@dieraeumung.de - Kontakt aufnehmen für eine Einschätzung, bevor etwas entsorgt wird.




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